Jahrestagung 2019: “50 Jahre ‘Speech Acts’ – Bilanz und Perspektiven”

5. März 2019Universität Bremen

Die Sprechakttheorie, die vor 50 Jahren in John Searles Buch Speech Acts. An Essay in the Philosophy of Language (1969) ihre kanonische Form gefunden hat, gehört zweifellos zu den zentralen Theorieansätzen der linguistischen Pragmatik. Zusammen mit den Theorien der Deixis und der Implikaturen ist sie essentieller Bestandteil jeder noch so knappen Darstellung pragmatischer Forschungsgegenstände. Ihre Grundannahmen und Grundbegriffe gehören zu jeder linguistischen Grundausbildung und haben auch andere Teildisziplinen wie z.B. die Textlinguistik und die Soziolinguistik maßgeblich beeinflusst. Auch in Spezialfeldern wie der Politolinguistik (Girnth 2015) oder der Internetlinguistik (Marx/Weidacher 2014) spielen sprechakttheoretisch inspirierte Analysen eine wichtige Rolle, und selbst neurolinguistische Studien untersuchen die neuronalen Prozesse bei der Verarbeitung von Sprechakten (Egorova/Shtyrov/Pulvermüller 2016).
Unbenommen ihrer Kanonisierung liegen die Zeiten, in denen ganze Kongressbände mit immer neuen Sprechaktanalysen in Searle’scher Manier gefüllt werden konnten, nun schon lange zurück. Die vielgescholtene Sprecherzentriertheit hat schon früh die Forderung nach gesprächsanalytischen Erweiterungen auf den Plan gerufen (Henne/Rehbock 2001). Im Zuge neuerer Theorieentwicklungen etwa der poststrukturalen Diskurslinguistik mit ihrer Kritik am Subjekt- und Intentionalitätsbegriff (Spitzmüller/Warnke 2011) oder der Konjunktur des Konzepts der Praktiken (Deppermann/Feilke/Linke 2016) scheint die klassische Sprechakttheorie abermals an Attraktivität verloren zu haben. Hinzu kommen (wissenschafts-)historische Arbeiten, die den Neuheits- und Universalitätsanspruch der Sprechakttheorie kritisch betrachten (Burkhardt 1986; Meier 2016). Trotz allem entstehen in jüngerer Zeit aber auch wieder Arbeiten, die im Rückgang auf Searle wie auch auf Austin neue sprechakttheoretische Modelle entwickeln (Kissine 2013, Sbisà/Turner 2013)
Das 50-jährige Jubiläum des Erscheinens von John Searles Speech Acts soll Anlass bieten, im Rahmen der ALP-Tagung 2019 die Karriere der Sprechakttheorie als pragmalinguistische Grundlagentheorie zu reflektieren, ihre Prägungen und Einflüsse ebenso wie die aus verschiedensten Richtungen formulierten Einwände und Gegenentwürfe zu diskutieren und eine kritische Bilanz zu ziehen. Neben empirischen, grundlagentheoretischen sowie wissenschafts- und fachgeschichtlichen Beiträgen sind auch Fallstudien aus anderen linguistischen Teildisziplinen erwünscht, die die Potenziale und Grenzen sprechakttheoretischer Zugänge beleuchten. Auch Beiträge aus dem Bereich der (Hochschul-)Didaktik sind willkommen. Schließlich sind Vertreter/innen weiterer Disziplinen, in denen die Sprechakttheorie rezipiert und fruchtbar gemacht wurde, etwa die Geschichtswissenschaft, die Psychotherapie oder die Theologie, ebenfalls eingeladen, an der bilanzierenden Reflexion mitzuwirken.

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Die Sprechakttheorie, die vor 50 Jahren in John Searles Buch Speech Acts. An Essay in the Philosophy of Language (1969) ihre kanonische Form gefunden hat, gehört zweifellos zu den zentralen Theorieansätzen der linguistischen Pragmatik. Zusammen mit den Theorien der Deixis und der Implikaturen ist sie essentieller Bestandteil jeder noch so knappen Darstellung pragmatischer Forschungsgegenstände. Ihre Grundannahmen und Grundbegriffe gehören zu jeder linguistischen Grundausbildung und haben auch andere Teildisziplinen wie z.B. die Textlinguistik und die Soziolinguistik maßgeblich beeinflusst. Auch in Spezialfeldern wie der Politolinguistik oder der Internetlinguistik spielen sprechakttheoretisch inspirierte Analysen eine wichtige Rolle, und selbst neurolinguistische Studien untersuchen die neuronalen Prozesse bei der Verarbeitung von Sprechakten.

Unbenommen ihrer Kanonisierung liegen die Zeiten, in denen ganze Kongressbände mit immer neuen Sprechaktanalysen in Searle’scher Manier gefüllt werden konnten, nun schon lange zurück. Die vielgescholtene Sprecherzentriertheit hat schon früh die Forderung nach gesprächsanalytischen Erweiterungen auf den Plan gerufen. Im Zuge neuerer Theorieentwicklungen etwa der poststrukturalen Diskurslinguistik mit ihrer Kritik am Subjekt- und Intentionalitätsbegriff oder der Konjunktur des Konzepts der Praktiken scheint die klassische Sprechakttheorie abermals an Attraktivität verloren zu haben. Hinzu kommen (wissenschafts-)historische Arbeiten, die den Neuheits- und Universalitätsanspruch der Sprechakttheorie kritisch betrachten. Trotz allem entstehen in jüngerer Zeit aber auch wieder Arbeiten, die im Rückgang auf Searle wie auch auf Austin neue sprechakttheoretische Modelle entwickeln.

Das 50-jährige Jubiläum des Erscheinens von John Searles Speech Acts soll Anlass bieten, im Rahmen der ALP-Tagung 2019 die Karriere der Sprechakttheorie als pragmalinguistische Grundlagentheorie zu reflektieren, ihre Prägungen und Einflüsse ebenso wie die aus verschiedensten Richtungen formulierten Einwände und Gegenentwürfe zu diskutieren und eine kritische Bilanz zu ziehen. Neben empirischen, grundlagentheoretischen sowie wissenschafts- und fachgeschichtlichen Beiträgen sind auch Fallstudien aus anderen linguistischen Teildisziplinen erwünscht, die die Potenziale und Grenzen sprechakttheoretischer Zugänge beleuchten. Auch Beiträge aus dem Bereich der (Hochschul-)Didaktik sind willkommen. Schließlich sind Vertreter/innen weiterer Disziplinen, in denen die Sprechakttheorie rezipiert und fruchtbar gemacht wurde, etwa die Geschichtswissenschaft, die Psychotherapie oder die Theologie, ebenfalls eingeladen, an der bilanzierenden Reflexion mitzuwirken.

Keynote: Sven Staffeldt (Würzburg)

Wenn Sie einen Vortrag halten möchten, schicken Sie bitte Ihr Abstract (max. 400 Wörter) bis zum 9. September 2018 an kontakt@alp-verein.de. Die Ergebnisse der Tagung sollen in einem Tagungsband dokumentiert werden, der noch im Jahr 2019 erscheinen soll. Alle Vortragenden erklären sich deshalb bereit, das fertige Manuskript spätestens vier Wochen nach der Tagung einzureichen.

Tagungsgebühren:

  • ALP-Mitglieder: 10 €
  • Nicht-Mitglieder: 20 €
  • Studierende (ohne Einkommen und Stipendium): 5 €

Reisestipendien:

Die ALP e.V. vergibt für Mitglieder ohne Einkommen Reisestipendien zur Teilfinanzierung der Anreise nach Bremen. Informationen zur Mitgliedschaft finden Sie hier.